Montag, 25. Juni 2018

Warmalpilgerin Teil 3


Um ans „Ende der Welt“ zu kommen wählten wir nicht den offiziellen Weg, sondern gingen an der Steilküste entlang. 
Ich hatte meinen Rucksack mit ein paar Utensilien für unseren Abschied vom Camino dabei und fühlte mich noch einmal wie Pilgerin.
Es nieselte und war nebelig. Das Meer war nur zu hören, aber nicht zu sehen.
Es war genau so, wie es uns ging. Nichts war wirklich klar.
Als wir auf den Klippen am Ende der Landzunge, am Kap Finisterre, angekommen waren, sah es tatsächlich aus, wie das Ende der Welt. Es gab nichts, außer einer dicken Nebelwand.
Am Meeresrauschen hörten wir, dass das Ende nicht das Ende ist. 
Auch unsere Pilgerschaft war noch nicht zu Ende. Eine Tradition, wer auch immer sie begonnen hat besagt, dass man ein auf dem Weg zerschlissenes Kleidungsstück dort lässt, oder gar verbrennt. Wir zelebrierten diesen  Moment würdig. Dank meines  Trockenbrennstoffes schafften wir es bei Nieselregen und Wind unsere auserkorenen Kleidungsstücke zu entzünden. 
Wir stießen mit Sekt darauf an und saßen eine Weile still da. Unser Pilgerweg war beendet. In dem Moment lichtete sich die Wolkendecke und es wurde zunehmend klarer.






Wäre das so in einem Film gekommen wär es ganz schön kitschig gewesen. Doch es war alles Echt. Jeder hatte für sich den Weg abgeschlossen und sah tatsächlich klarer.
War ich jetzt angekommen? Nein! Denn das hieße ja, es gäbe nichts mehr danach. Doch es gibt ja noch so Vieles.


Das Ende ist nicht das Ende, ist nicht das Ende

Sonntag, 24. Juni 2018

Warmalpilgerin Teil 2



Heute Früh bekamen wir noch einmal einen krönenden Herbergsabschluss. 
Punkt 6:00 Uhr klingelte ein Wecker und ein endlos erscheinendes Tütengeraschel begann. So viele Tüten und Beutel kann eigentlich kein Pilger in seinem Rucksack haben, um ne viertel Stunde damit andere Pilger, oder Warmalpilger wach zu halten. Doch dieser hatte sie.
Nach unserem letzten Herbergsfrühstück begaben wir uns zum Busbahnhof. Das war noch mal ein bissel wie pilgern.
Nach knapp 3 Stunden im völlig unterkühlt klimatisierten Bus kamen wir in Fisterra an.
Wir liefen durch die Stadt, die nur von Pilgern zu leben schien. 
Die hier zu Fuß ankommenden Pilger wirkten meist etwas ratlos, so wie ich bei meiner Ankunft in Santiago. Ich fragte mich, wie wohl meine Ankunft hier ausgesehen hätte, wenn ich weiter gegangen wär. Letztendlich sicher wohl auch nicht anders, halt nur 95 Kilometer mehr auf den Füßen. Also alles richtig entschieden. Meine Füße wollen eh nicht weiter.
Am späten Nachmittag gingen wir an den Strand auf der anderen Seite der Landzunge. Die Sonne war kaum noch zu sehen und es war nebelig. Wir gingen trotzdem noch im Meer baden.
Irgendwie fühlte sich die ganze vergangene Zeit so unreal an. Sind wir tatsächlich keine Pilger mehr?
Wir beschlossen, solange Pilgerinnen zu sein, wie wir unsere Sachen aus dem Rucksack holen und die Muschel dran haben. :-)
Morgen geht es noch zum Leuchturm am Kap Finisterra - dem vermeintlichen Ende der Welt. Vielleicht kann ich mich dort mit dem Ende meiner Pilgerschaft abfinden.


Samstag, 23. Juni 2018

Warmalpilgerin Teil 1


Gestern Abend waren wir noch mal in der Stadt. Dort trafen wir Andy wieder. Er war mit Richard, einem schweizer Pilger, den er vor ein paar Tagen getroffen hatte, unterwegs.
Ein Restaurant hatte einen Fernseher draußen und wir konnten im Freien sitzen und Fußball schauen. Natürlich waren wir wieder für die Schweiz.
Nach dem Spiel verabschiedeten wir uns von den Beiden. Sie werden morgen nach Hause fliegen.
In der Stadt war an jeder Ecke etwas los und je später es wurde, um so lebendiger wurde es. 
Am Platz vor der Kathedrale saßen und lagen immer noch Pilger.
Wir hatten immer noch nicht ganz realisiert, dass es vorbei war.

Heute Früh konnten wir ausschlafen. Ich blieb bis Mittag in der Herberge und dachte nach, schaute mir Bilder an und schrieb. Veronika wollte noch mal in die Kathedrale zur Pilgermesse.
Am Nachmittag steckten wir all unsere Sachen in die Waschmaschine und mussten nun im Bett ausharren, bis sie fertig war. Während dessen liefen  die ganze Zeit CD’s mit klassischer Musik vom Hospitaliero. Als wir dann beim Abendbrot saßen, wurden gerade Weihnachtslieder gespielt. Das war nur zu komisch, draußen waren es 33 Grad und drinnen lief „Leise rieselt der Schnee.“ Wir konnten nicht nehr vor lachen.

Dann liefen wir wieder in die Stadt. Heute gab es keinen Fußbal-Fernseher draußen und drin hielten wir es nicht lange aus. Wir wollten noch etwas vom Stadtgetümmel mitbekommen.
Wieder lebte die Stadt. Auch hier wurde die Sommersonnenwende gefeiert. Überall spielte Musik und an mehreren Stellen gab es kleinere Lagerfeuer, über die die Leute sprangen. Manche Erwachsene hatten dabei ihre Kinder auf dem Arm, oder an der Hand. 
Es war ein schöner Abend und doch eigenartig.
Vor ca. 40 Stunden hatte ich die Stadt betreten, nun bin ich nur noch als Touristin hier, nicht mehr als Pilgerin.

Morgen verlassen wir Santiago de Compostela und fahren nach Fisterra.