Samstag, 28. April 2018

Pause in Biscarrosse

Sie hat ihre Panflöte dabei, ich nicht mehr. ;)

Heute war ein „Re...“-Tag

In meinem Hotelzimmer hatte ich super geschlafen. Von draußen hörte ich den Regen.
Als ich beim Frühstück saß, konnte ich beobachten, wie sich eine Gruppe Radfahrer für ihre Tour rüsteten. Dankbar dachte ich, dass mir das heute erspart bliebe. Morgen war noch weit. Im Haus gegenüber sah ich eine Frau im Tigerlook-Morgenmantel ihre Katze auf dem Balkongeländer ausführte. Das sah so verrückt aus, dass ich aufpassen musste, meinen Kaffee im Mund zu behalten. Heute war eine nette, etwas älte Dame - wahrscheinlich die Chefin - da und sie sprach perfekt deutsch. Als ich mit ihr redete, stellte sich heraus, dass sie tatsächlich Deutsche war.
Nach dem Frühstück reinigte ich meine Wäsche und war entsetzt, wie dreckig Sockenwasser sein kann. Danach versuchte ich, leider vergeblich, den Reißverschluss meiner Bauchtasche zu reparieren.
Ich zog meine Regenjacke an und ging in die Stadt, in der Hoffnung eine neue Bauchtasche zu bekommen. Außerdem wollte ich mir etwas für ein schönes Entspannungsbad kaufen. Das einzige was ich fand, war ein sündhaft teures „Relaxing“- Badesalz, bei dem ich die Inhaltsstoffe nicht identifizieren konnte. So entschied ich mich für einen Eigenmix und kaufte Milch und Honig. Mit ein paar Tropfen Arnika, wurde das am Abend mein Regenerationsbad. 
Zum Mittag gönnte ich mir wieder etwas aus der französischen Küche und ging ins Restaurant um die Ecke. Mein kleines Notizheft hatte ich dabei und während ich auf mein Essen wartete rekapitulierte ich die letzten Tage, da ich manchmal nur wenige Stichpunkte notiert hatte. Als Verdauungsspaziergang ging ich noch mal durch die Stadt und in die Kirche. Sie war interessant gebaut, hatte aber eine schlechte Akustik. Das scheint die Dame im Fenster mit der Panflöte auch schon gemerkt zu haben, sonst hätte sie sie wahrscheinlich nicht unterm Arm, sondern am Mund.
Zurück im Hotel reservierte ich mir noch ein Bett in einem Gästehaus für morgen Nacht, denn es sollen wieder nur 9 Grad werden.

Der Tag Pause tat gut, doch morgen geht es weiter.

Freitag, 27. April 2018

Panorama du Pyla - Biscarrosse

Wechselhafter Tag

Trotz der beiden Decken, welche ich von dem deutschen Paar bekommen hatte, wurde ich gegen 4 Uhr vom Frieren wach. Der Schlafsack fühlte sich an, wie das Kühschrankinnere. Irgendetwas muss ich mir einfallen lassen, wenn ich weiterhin im Zelt übenachten möchte.
Das Meer rauschte am Morgen herrlich hinter der Sandbank und hinter dem Wald ging die Sonne auf. 
Ich brauchte 2 Stunden zum duschen, packen und frühstücken. Dann ging es weiter. Da auf der Karte in ca. 20 Kilometer die Küste entlang ein „Camp“ eingezeichnet war, lief ich in diese Richtung. Ich hatte kaum Verbindung zum Internet und konnte keine näheren Infomtionen finden. Laut Google maps gab es da nichts. Laut der Recherche meines Mannes, gab es tatsächlich außer einem Ort in ca. 15 km Entfernug für lange Strecken nichs mehr. Das Camp war wohl ein ehemaliges Armeelager. So entschied ich mich, weiter Richtung Innland zu gehen. Es gab auch einen Waldweg, der in der Nähe abbog. Also wechselte ich vom Asphalt-Weg an der Straße zum Waldweg, der sich - wie konnte es anders sein - zu einem Sandweg wandelte. Dann wechselten sich Sonnenschein und Nieselregen ab und der Wind kam mal von vorn und drehte dann wieder. Zusätzlich gab es einen ewigen Wechsel zwischen bergauf und bergab. Wo kommen an der Küste nur die Berge her? Konstant blieben das Gewicht des Rucksackes, meine beanspruchten Füße und meine gute Stimmung. Irgend welche schlauen Gedanken oder Erkenntnisse waren mir noch nicht gekommen. Na ja, war ja erst Tag 7 des Neustartes. 
Für heute Nacht waren Regen und Temperaturen unter 10 Grad angesagt. Das wollte ich nicht unbedingt im Zelt erleben. Der Campingplatz, an dem ich ankommen wollte, hatte auch ein paar Festunterkünfte. Allerdings waren die Preise wieder zum ausreißen. 59,-€ für 1 Nacht/ohne Alles und man musste mindstens zwei Näche bleiben. Bettdecke, Kissen usw. mussten extra gezahlt werden. Also bemühte ich wieder das Internet. Mir wurde ein Zimmer im 9 Kilometer entfernten Biscarrosse als, mit 90,-€, das günstigste angeboten. Etwas wiederstrebend buchte ich das Zimmer und begab mich auf den Weg dorthin. Da der Internetempfang sehr schwankte, war schon die Buchung immer wieder unterbrochen worden und nun kam auch die Bestätigung erst verzögert. Als sie dann da war, muste ich erstaunt feststellen, dass ich für 2 Nächte gebucht hatte. Da war wohl bei dem Aus und An ein „Fehler“ im Datum passiert. Nun hatte ich zwei Nächte für vermeintlich Eine und demzufolge einen Tag Pause. Meine Füße werden es mir danken. Im Hotel angekommen, wurde ich freundlich begrüßt. Nach meiner Eröffnung auf frazösisch, dass ich ein Zimmer gebucht habe, kam ein Lächeln zurück und die Frau an der Rezeption führte die Unterhaltung in fast perfektem Deutsch weiter.
Ich bekam ein schönes geräumiges Zimmer mit eigenem WC und... einer Badewanne. Morgen werde ich mir einen schönen Badezusatz kaufen und den Regentag genießen.

Ein paar Impressionen der letzen Tage



















Donnerstag, 26. April 2018

La Pignata - Panorama du Pyla

Ich geh‘ meine eigenen Wege - ne Muschel ist nicht mehr zu seh‘n...

Die letzte Nacht konnte ich super schlafen. Zuvor erzählten Philippe und ich noch ein wenig und er empfahl mir, an diesee Ufessite weiter zu gehen. Es solle sehr schön sein. So tat ich es dann heute auch, nach dem Frühstück. Der Pilgerweg führt am (in meiner Laufrichtung) linken Ufer der Bucht von Arcachon entlang. Da mein Gastgeber jedoch am oberen Zipfel der Bucht rechts wohnte, ergab es sich, dass ich heute nicht auf dem Jakobsweg  lief. Auf den „richtigen“ Weg werde ich wohl erst in zwei Tagen wieder stoßen. 
Den ganzen Vormittag lief an den kleinen Küstenorten entlag. Teilweise nutzte ich die Strände, an denen mehrere Schiffe darauf warteten, wieder Wasser unter den Kiel zu bekommen. Sonst ging es wieder neben der Straße den Fahrradweg entlang. Für heute Nacht wünschte ich mir eine Decke, denn mehr als 10 Grad sollten es nicht werden.
So lief ich knappe 15 Kilometer bis Bélisair und sicherte mir dort eine Karte für die Überfahrt nach Arcachon. Scheinbar wurden mehr Tickets verkauft, als Platz auf der Fähre war. Ich wollte 14:30 Uhr mitfahren und nicht erst zwei Stunden später. Es ging ein wenig zu, wie auf einem türkischen Basar, als es ums einsteigen ging, aber ich bekam einen Platz. In Arcachon angekommen, startete ich meinen weiteren Weg Richtung Campingplatz hinter der Düne von Pilat. Das sollten noch einmal 13 Kilometer sein. Ich suchte per google die kürzeste Strecke. Die hätte dann glatt auch ein Pilgerweg sein können. Ewige Strecken mit hohem Sand. Irgendwann nach dem 3. Anstiegt wurde ich dann zum  Zweiloch-Vertikutierer. Auf dem Weg lagen 2 Äste, die ich als Workingstöcke nutzte und  mit ihnen in den Sand stocherte. Ich muss zugeben, sie waren recht nützlich. Erstens halfen sie tatsächlich beim bergauf gehen. Zweitens unterstützte der Klang des Auftreffens auf dem Sand meine 4/4 Takt - Wanderlieder und drittens machte es Spaß zu versuchen, mit meinen und den beiden Zusatzbeinen die verschiedenen Gangarten der Vierbeiner nachzuahmen. Als ich wieder festen Boden unter den Füßen hatte, ließ ich sie für den nächsten Wanderer zurück. Das geklappere war einfach zu laut in der stillen Natur.
Am Campingplatz angekommen gesellte ich mich neben ein älteres deutsches Paar mit Wohnwagen. Am Abend luden sie mich auf einen Tee und ein Schluck Wein ein. Wir hatten ein nettes Gespräch und bevor ich in mein Zelt ging, boten sie mir zwei Decken für die Nacht an. Ich erzählte, dass ich fast ein wahnsinnig teures Badetuch als Deckenersatz am Campingplatz-Kiosk gekauft hätte und nahm das Angebot dankend an. So war mein heutiger Wunsch doppelt erfüllt.

Frage des Tages:
Bin ich weniger Pilgerin wenn ich nicht der Muschel folge?