Samstag, 9. Juni 2018

Tapia de Casariego - Ribadeo

Würdiger Abschied von der Küste

Gestern Abend bat Veronika auf Spanisch den Herr der Winde, dass er die Regenwolken wegpustet und wir im trockenen laufen können.
In der Nacht hörte es auf zu regnen. Als wir gegen 8 los liefen, gab es sogar etwas blau am Himmel.
Im Laufe des Vormittages kam die Sonne immer mehr hervor. Es war zwar recht windig, aber dafür waren wir dankbar. Wir sagten uns, dass dies ja notwendig war, um die Regenwolken weg zu pusten, wie gewünscht.
Wir konnten somit unseren letzten Tag an der Küste genießen. Wir sahen das klare Meer und hatten Weitsicht zu den Bergen.
Für mich war es eine Belohnung für die letzten 9 Wochen. Davon war ich 7 an der französischen und spanischen Küste unterwegs gewesen.
Zum krönenden Abschluss wollte ich mich würdig vom Meer verabschieden und war noch mal baden. Es waren zwar trotz Sonne nur 19 Grad, aber baden musste sein.
Am Abend saßen Veronika und ich noch auf dem Dach der Herberge und gönnten uns einen Rotwein auf die jeweils abdolvierte Strecke - Veronika über 650 und ich fast das Doppelte.

Laut Pilgerführer hatten wir heute die 200er-Marke der restlichen Kilometer unterschritten.
Ein eigenartiges Gefühl kam auf.
Eas wird mir auf den kommenden Kilometern noch begegnen?

Freitag, 8. Juni 2018

Tapia de Casariego


Das war ein „hätte“- Tag

Hätte ich in der Nacht nicht Hals- und Kopfschmerzen und Veronika nicht heute ihren „Unlusttag“ gehabt, hätten wir uns eventuell nicht vom Regen stören lassen.
Hätte es nicht geregnet, dann hätten wir vielleicht Lust zum weiterpilgern bekommen. Hätte die Sonne geschienen und das Thermometer nicht nur 15 Grad angezeigt, hätte ich gern im Meer gebadet. 
Hätten wir heute nicht pausiert, dann hätten wir nicht die Zeit gehabt, die Etappen für die nächsten Tage zu überlegen. 
Wir hätten in nassen Schuhen weiter laufen müssen, da sie über Nacht nicht getrocknet waren. Ich hätte nicht hier im „Meson Restaurante El Puerto - Tapia de Casariego“ eine der besten Fischsuppen gegessen.
Und wir hätten die Chance verpasst, morgen, an unserem letzten Tag am Meer doch ein paar Sonnenstrahlen abzubekommen. Für morgen ist zur Zeit von 7 bis 13 Uhr Regenpause angesagt.

Ich hoffe, die Wetterfrösche erinnern sich morgen noch daran und meinen nicht, sie hätten sich bloß geirrt.



Donnerstag, 7. Juni 2018

Navia - Tapia de Casariego



Am Liebsten wär ich heute Früh im Bett geblieben. Draußen war es trüb und nieselig und ich war etwas pilgermüde gewesen.
Ich blieb selbst beim Laufen müde. Dementsprechend lang kam mir heute auch die Strecke vor. 
Bis auf drei kleine Regenschauer blieb es zum Glück von oben trocken. Die Wege zwischen den Feldern und im Wald waren trotzdem matschig. Einmal versank Veronika so im Schmodder, dass ihr Schuh stecken blieb. Bis zu den Knöcheln im Schlamm stehend, musste sie dann mit beiden Händen nach dem Schuh suchen. Es war zu komisch und wir mussten beide lachen.
Der Großteil der heutigen 21 Kilometer verlief allerdings auf Asphaltpisten. Das mögen die Füße nicht so sehr. 
Nach ungefähr der Hälfte des Weges wollten wir Pause machen und etwas Essen. Doch das Restaurant hatte zu und bis zum Zielort kam auch nichts mehr. Wir setzten uns in eine Bushaltestelle, aßen Nüsse und einen Apfel aus den Rucksäcken, warteten ab, bis der Regenschauer vorbei war und liefen weiter. 
In der Pilgerherberge gab es keine Waschmaschine und vor allem keinen Trockner, so dass wir uns für ein sehr günstiges Hotel entschieden hatten. Unsere durchgeschwitzte und schmutzige Pilgerkleidung bedurfte dringend einer Reinigung. Für 3,-€ bekamen wir alles frisch gewaschen und trocken zurück.
Heute hatten wir keine Lust auf spätes Pilgermenü und kauften uns im Supermarkt etwas zum Abendbrot.
Der für den Abend geplante Strandspaziergang fiel buchstäblich ins Wasser.

Ich hoffe, dass ich mich morgen wieder besser motivieren kann. Das wird die letzte Etappe an der Küste.