Sonntag, 3. Juni 2018

San Martin de Laspra - El Pito


Gestern Abend saß ich noch bis 23 Uhr mit anderen Pilgern im Gemeinschafts-Wohnzimmer und unterhielt mich mit einer jungen Deutschen aus Bremen. Sie hatte das Pilgern für ein paar Tage Surfschule unterbrochen.
Der Hospitalero kümmerte sich wie eine Mutti um die Wäsche der Pilger. Es gab einen Wäscheständer, den er vor einen Gasheizkörper gestellt hatte. Unermüdlich hängte er alles immer wieder um, damit alles trocken wurde. Es sah aus, als hätte er dafür ein schon oft erprobtes System.
Ich schlief erstaunlich gut.
Nach dem Frühstück entrichteten wir unseren Obolus und liefen gegen 8 los. Es regnete nicht und am Horizont gab es sogar eine kleine Wolkenlücke.
Heute ging es kaum an Hauptstraßen entlang. Wir liefen ab und zu über Asphaltpisten, aber meist auf unbefestigten Wegen durch Eukalyptuswälder. Durch den tagelangen Regen ähnelten diese eher Bächen bei Ebbe.
An einer Stelle versperrte ein junger Baum etwas den Weg. Ich zug an einem Ast, um ihn vom Weg zu ziehen. Es krachte kurz, ich schrie noch kürzer, aber lauter und saß am Rad eines Rinnsals. Mit der einen Hand hatte ich mich im Wasser abstützen können und den Rest bremste der Rucksack ab. So hatte ich mir nicht weh getan, kam aber nicht wieder hoch. Veronika musste mir auf helfen.
An der ursprünglich geplanten Herberge für heute liefen wir vorbei, da es erst Mittag war. Auf einem Markt versorgten wir uns mit frischem Obst und Brot und liefen noch knappe 6 Kilometer weiter.
In El Pito meldeten wir uns im Hotel an, welches auch Betten für Pilger bot. Wir hatten die Wahl. Entwefer für 15,-€ im Vierer-Doppelstockbett-Zimmer, oder für 17,50,-€ im DZ mit Einzelbetten. Ich entschied, dass wir Luxuspilgerinnen waren.
Dann folgte das Übliche. Bett beziehen, Duschen, Wäsche waschen, ausruhen. Das konnte ich auf der Wiese des Hotels tun, denn es schien auf einmal die Sonne.
Es waren noch andere deutsche Pilger da. Am Abend saßen wir noch zusammen mit ihnen und einer junger Italienerin.
So ging wieder ein Pilgertag nett zu Ende.

Freitag, 1. Juni 2018

Gijón - San Martín de Laspra



In dem altehrwürdigem Haus hatten wir recht gut geschlafen. Es hatte die ganze Nacht geregnet.
Relativ ausgeruht gingen wir ohne Frühstück die knapp 2 Kilometer zum Bahnhof. Der Regen machte gerade mal Pause.
Gegen 10 kamen wir dann, nach kurzer Zugfahrt, zu Fuß durch Avíles und setzten uns erst einmal zum Frühstück in ein Kaffee.
Der Weg führte uns dann aus der Stadt heraus und den Berg hinauf - was sonst.
Nach ein paar Kilometern sahen wir von oben wieder das Meer. Leider wurde der Blick durch Industrieanlagen und unschöne Hochhäuser von Salinas getrübt.


Unten in der Stadt angekommen durchliefen wir sie schnell, um dann auf der anderen Seite wieder bergauf zu gehen. Nach einem recht steilen Aufstieg kamen wir an der Herberge an. Sie befindet sich in einem ehemaligen Pfarrhaus, direkt an einer Kirche. In 7 Zimmern sind verschiedene Anzahlen von Doppelstockbetten. Da wir die Ersten waren, konnten wir uns das Zimmer aussuchen. Wir entschieden uns für ein Zimmer mit nur einem DSB und heute wollte Veronika oben schlafen. Sie ist schließlich 23 Monate jünger, als ich. ;-)
 Nach dem Duschen gingen wir noch mal einen Kilometer bergab in ein Restaurant. Ich entschied mich für den als frisch angepriesenen Fisch. Ich bekam einen halben, unbekannten Fisch der Größe einer großen Forelle und dazu Knoblauchkartoffeln - sonst nichts. Auf der Rechnung standen dann 25,-€ dafür. Nicht schlecht! Dafür hätte ich wo anders mindestens 2 Pilgermenüs bekommen. Aber „wo anders“ hatte uns google nicht angezeigt.
Nach dem Essen liefen wir noch eine Weile die Straße in die andere Richtung, um schon mal den Weg für Morgen zu erkunden. Es dauerte nicht lange und wir kamen an mehreren kleinen Lokalen vorbei. Wir schauten lieber nicht nach den Preisen.
Es gab auch einen Supermarkt und dort fand ich das Erste richtig gut aussehende frisch gebackene Mischbrot. Das musste mit. Entweder für heute Abend, oder morgen Früh. 
Wieder sind es die kleinen Dinge, die mir Freude bringen.

Heute hat der 3. und letzte Monat meiner Pilgerreise begonnen. Wenn ich auf die Karte schaue, welche Strecke schon hinter mir liegt und ich dann das relativ kurze Stück bis Santiago de Compostela sehe, sind meine Empfindungen zweigeteilt. Einerseits ist da etwas Traurigkeit, dass es bald zu Ende sein wird und andererseits freue ich mich auch wieder auf zu Hause und darauf, wieder in den Armen meines Mannes zu liegen.


Donnerstag, 31. Mai 2018

Deva - Gijón


Gestern Abend waren kurz nach 21:00 Uhr alle in dem kleinen Raum schon im Schlafmodus, nur ich nicht. Da es gerade aufgehört hatte zu regnen, ging ich noch mal raus. Ich spazierte über den Campingplatz und schrieb noch mit einer Freundin. Als ich im entferten Sanitärhaus noch mal zur Toilette ging, fing es wieder heftig zu regnen an. Toll! Ich in Schlafklamotten und keinen Schirm dabei. Hab ja sowieso keinen mit.  Der Beutel im Abfalleimer der Toilette war noch leer und sauber und er wurde mein Regenschutz für den Rückweg.
Die Nacht war wieder unruhig. Dieses mal aber nicht wegen unkontrollierter Körperöffnungen, sondern weil Betten und Tür geräuschvoll waren. 
Gegen 9 liefen wir ohne Frühstück los. Der Weg führte über eine wenig befahrene Straße am Außenrand von Gijón entlang, bis wir nach ca. 8 km am Strand von Gijón standen. Es war gerade Ebbe und ein paar Surfer waren draußen auf dem Meer und einige Menschen liefen am Strand  entlang.
Wir suchten erst einmal die Pilgerpension und bezogen in einem großen alten Haus ein Zimmer. Ausgestatten mit echten alten Holmöbeln, Holzdielen, einer Schwindel erregenden Deckenhöhe und einem kleinen Steinbalkon mutete es schon sehr herrschaftlich an.
Danach gingen wir durch die Altstadt in Strandnähe. Tapfer trabte Veronika mit mit in jede Apotheke und in jedes Schuhgeschäft. Letztendlich bekam ich, was ich suchte und zum Schluss hatten wir beide neue Schuhe.
Mögen es uns unsere Füße danken.
Am Abend liefen wir noch mal zum Strand und jetzt war Flut. Vom Sandstrand war nichts mehr zu sehen und die Wellen brachen krachend gegen die Mauern.
Kurz vor Sonnenuntergang kam selbige sogar mal kurz hervor und spigelte sich schön auf dem Wasser. 

Dafür, dass wir Großstädte meiden wollten, präsentierte sich Gijón doch recht angenehm.
Trotzdem werden wir den Weg aus der Stadt und durch das Industriegebiet morgen Früh mit dem Zug absolvieren. So was ödes hatten wir schon zwei mal in Spanien, das reicht.