Dienstag, 22. Mai 2018

Cóbreces - Las Llaós


Für heute hatten wir uns ein Zimmer gebucht. Somit hatten wir beim Laufen keinen Zeitdruck.
In dem Kloster, in dem wir letzte Nacht waren gab es kein Frühstück und auch keine Gelegenheit, sich selbst etwas zuzubereiten. Also liefen wir kurz vor 8 mit vollem Rucksack und leerem Magen los. Unterwegs gab es erst einmal nichts, wo wir hätten einkaufen, oder gar frühstücken können.
Nach ungefähr einer Stunde gab es etwas abseits der Straße eine Bank und ich war für Picknick. Ich kochte uns Kaffee und Tee und wir teilten uns eine selbstgepflückte Orange und einen Powerriegel (den trug ich schon seit Istermontag im Rucksack).
Gestärkt ging es weiter. Ca. 16 Kilometer wollten wir gehen. Wir freuten uns schon darauf, eine Küche im Zimmer zu haben, um selbst kochen zu können. Das hieß allerdings vorher einkaufen. Der letzte Supermarkt kam jedoch bereits 6 Kilometer vorm Ziel. So schleppten wir auch noch das Zusatzgewicht des Einkaufes mit, als ob die Rucksäcke nicht schon so schwer genug waren. Doch wie immer kam die Belohnung für die Strapazen.


Nach Zimmer beziehen, erholen am Strand (inklusive baden) und kochen gab es leckeres Abendbrot mit Weitblick auf Meer und Küste.

Trotz allem Schönen... 
...Meine Füße fühlen sich an, als hätte ich viel zu lange in viel zu engen und zu hochhackigen Schuhen getanzt.

Montag, 21. Mai 2018

Santillana del Mar - Cóbreces

San Pedro

Wundersame Gefühle


Heute Morgen ließen wir uns vom Vogelgezwitscher und der Sonne wecken. Erst gegen 8 gingen wir frühstücken, packten gemütlich und liefen erst nach 9 Uhr los. 12 Kilometer hatten wir uns vorgenommen um in einem Zisterzienserkloster zu schlafen.
Der Weg verlief haupsächlich auf Asphaltpisten, aber zum Glück nur selten an größeren Straßen entlang.
Es ist schön, mit Veronika zu gehen. Wir haben mehrere gemeinsame Themen und das Tempo passt auch. 
Ab und zu hielten wir an, um etwas zu fotografieren und manche Strecke gingen wir einfach schweigend nebenher.
Nach ungefähr der Hälfte der Strecke war schon von weitem ein größeres Kirchengebäude sichtbar. Als wir fast dort waren, erkannten wir bekannte Pilger, welche wir 2 Tage nicht getroffen hatten. Das Paar aus Holland begrüßte uns freudig und ihnen hatte sich eine Australierin angeschlossen. Sie hieß auch Veronika und hatte bis dahin noch keine andere Veronika auf dem Weg getroffen.
Wir verabschiedeten uns von ihnen und gingen zur Kirche. Dort wurden wir von einem sehr freundlichen Pfarrer mit einem Erfrischungsgetränk begrüßt.
Danach betraten wir die Kirche. Ich war kaum drin, da schossen mir die Tränen in die Augen. Es war nicht wirklich nachvollziehbar, was der Auslöser war. Ich war auf dem Weg ja schon in vielen Kirchen gewesen. Diese war nicht schöner, größer oder sonst irgendwie herausragend besonders. Ich hatte auch keinerlei wehmütige Gedanken, oder so. Es kam einfach. Es stellte sich zusätzlich ein völlig friedliches Gefühl ein.
Wir besichtigten noch den Turm und beim Gehen fing ich plötzlich noch einmal an zu weinen.
 Nach ein paar Metern Entfernung von der Kirche war alles wieder vorbei, aber es wird unvergesslich bleiben.




Sonntag, 20. Mai 2018

Bezana - Santillana del Mar


Eine Bahnfahrt die ist.....

.... in diesem Falle eine Sicherheitsmaßnahme.

Um die heutige Etappe zu bewältigen, hätten wir entweder 20 Kilometer Umweg laufen müssen, oder aber über eine Eisenbahnbrücke neben den Gleisen laufen. Die kürzere und sichere Art den Fluss Saja zu überwinden, war im Zug zu sitzen. Es hätte eine Station fahren gereicht. Doch Veronika und ich dachten uns, zum Pfingssonntag gönnen wir uns ein paar „Schummelkilometer“. So wollten wir schon zwei Stationen davor ein- und zwei danach wieder aussteigen.
Wir liefen von der Herberge zum Bahnhof des Ortes und waren ca. 5 Minuten vor Abfahrt da. Dank Veronikas Spanischkenntnissen kaufte sie die Fahrkarten am Automaten. Wir standen pünktlich am Gleis und warteten auf den Zug von links, wie wir es von Deutschland gewohnt waren. Der Zug kam von links,  hielt an und fuhr wieder los, aber alles auf dem gegenüberliegenden Gleis. Was für ein Mist! Nun mussten wir eine Stunde auf den nächsten Zug warten.
In der Wartezeit schauten wir uns die folgende Wegstrecke im Pilgerführer an und entschieden uns für die kürzeste Variante vom Bahnhof zum gewünschten Ort.
Als wir dann im Zug saßen sahen wir einige Pilger auf dem Weg. Zum Glück war gerade niemand auf der Brücke, als der Zug sie passierte.
Durch unsere kurze Variante waren wir bereits Mittag in Santillana del Mar und freudig erstaunt, als wir die Stadt sahen..
Es war eine richtig schöne alte kleine Stadt, mit alten Häusern, engen Gassen, altem Pflaster und voller Leben.
2 Kilometer entfernt gab es eine Höhle mit ewig alter ca. 12000-15000 Jahre) Höhlenmalerei. Da wir ja heute nur 7 km auf dem Camino gelaufen waren, gingen wir sie besichtigen.

                                                                 Höhle von Altamira

Warum auch immer bekamen wir freien Eintritt inklusive Höhlenführung. Wir nahmen es dankbar an und waren faszieniert.
Danach bummelten wir noch durch alle Gassen des Städtchens und hatten dann doch wieder 17 km auf den Füßen verbracht.
In dem Zimmer, das wir uns heute in der Herberge gönnten, gab es eine Badewanne und ich freute mich schon darauf. Im Zimmer angekommen fand ich leider keinen Stöpsel für die Wanne. Aber ich wär ja nicht ich, wenn mir nicht etwas eingefallen wär. Eine Tüte gefüllt mit Toilettenpapier, etwas Wasser rein, damit es quoll und schwer wurde und fertig war der perfekte Stöpsel. Ich lag genüsslich über eine Stunde in der Wanne und musste nicht einmal Wasser nachlaufen lassen. :-))
Gegen 20:00 Uhr gingen wir in ein schönes Restaurant zum Abendessen und trafen dort eine Gruppe anderer Pilger. So ging der Abend gemütlich zu Ende.

Das war ein Pfingstsonntag, an den ich mich gern erinnern werde.